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Bernhard Nolz

"Die Verteidigung Deutschlands am Hindukusch"

Eine schwärmerische Kritik zum Theaterstück der Berliner Compagnie

 

Die Premiere

Eine beeindruckende Theaterproduktion der Berliner Compagnie hatte im September in Bonn Premiere. "Die Verteidigung Deutschlands am Hindukusch" heißt das eigene Theaterstück, mit dem die Berliner Compagnie in den nächsten Monaten durch Deutschland tourt.

Den ZuschauerInnen wird "politisches Theater pur" geboten, dessen überzeugendes künstlerisches Mittel die Reduktion ist. Da schimmern das epische Theater von Bertolt Brecht und das "Theater der Unterdrückten" von Augusto Boal durch, oder ist es das antike Theater?

 

Die Schauspielkunst

Fünf Schauspielerinnen (Natascha Menzel, Angelika Warning, H.G. Fries, Jean-Theo Jost, Dimo Wendt) verkörpern über 25 verschiedene Rollen, und sie wechseln noch nicht einmal ihre Kleider, wenn sie in eine andere Rolle schlüpfen. Auf der "Hindukusch"-Bühne kommen die SchauspielerInnen in ihren Rollen als Menschen zur Geltung. Der Krieg verwischt die Unterschiede zwischen den Menschen, Tätern sind Opfer sind Täter und Mitläufer. Brillante Analysen über die Entwicklungsmöglichkeiten Zentralasiens werden von SicherheitsberaterInnen und PolitikerInnen – also von Menschen – in Anweisungen für Menschenvernichtung und Zerstörung durch Krieg und Gewalt umgeschrieben. Soldaten gehen auf Befehl von oben ans Werk und kommen drin um.

Man wird bescheiden im Verlauf der Aufführung und sensibel und freut sich über jede menschliche Geste, über das kleine und große Glück, das den Menschen immer wieder begegnet und ihnen Hoffnung gibt, auch den ZuschauerInnen.

Aber es kommt auch die Wut hoch, wenn wir "eine afghanische Familie durch den mittlerweile 30-jährigen Krieg begleiten: von der Revolution 1978 über den sowjetischen Einmarsch und den darauf folgenden Krieg mit über einer Million Toten, den Krieg zwischen den Mujaheddin danach, die schreckliche Zeit der Taliban, die Bombardierung Afghanistans durch die USA, die bis zum heutigen Tag andauernden und vor allem für die Zivilbevölkerung immer verlustreicheren Kämpfe von OEF und ISAF. Die letzte Szene spielt in der Zukunft" (Programmheft).

 

Die Bühne

Als Bühnenrequisiten nur fünf Mikrofone auf Stativen und eine große Holzleiter. Fünf Mikrofone, mehr braucht das Theaterstück nicht, um die Mächtigen der Medienwelt als  ManipulatorInnen der Macht und ihrer eigenen Propaganda zu entlarven.

Die größte Spannung wird mit einer einfachen großen Leiter erzeugt. Immer wenn sich Personen der großen Leiter nähern, entsteht die spannende Frage, wie die Leiter verändert und was sie darstellen wird. Die Holzleiter in immer wieder anderer Form verdeutlicht die jeweilige Kriegssituation der Menschen: im Haus, im Sarg, am Galgen ...  So wird eine einfache Holzleiter zum wirkungsvollen Reqiusit, das auch nach der Aufführung im Auge bleibt und die Geschichten weiter erzählt.

 

Der Text

Eine Meisterleitung! Das Programmheft verdeutlicht die Textfülle, die bei der Erarbeitung des Stückes zugrunde gelegen hat. Daraus ist ein überzeugendes Theaterstück entstanden, dessen Text und Handlung klar strukturiert und eindrucksvoll sind, so dass die 90 Minuten wie im Fluge vergehen.

 

Die Theateraufführung

"Die Verteidigung Deutschlands am Hindukusch" ist alles andere als eine Bühnenshow.  Es ist eine Theateraufführung, die die Zuschauer regelrecht auf die Bühne und in die Geschichten zieht. Das schafft die Berliner Compagnie durch eine Theaterinszenierung mit minimalistischen künstlerischen Mitteln, die  eine nachhaltige Wirkung erzielen.

 

Die VeranstalterInnen

Traditionsgemäß bilden sich in vielen Städten Initiativgruppen, die die Theateraufführung der Berliner Compagnie organisieren und vor allem aus dem Friedens-, Entwicklungs- oder Menschenrechtsspektrum stammen.

Die Berliner Compagnie möchte mit ihrem Theaterstück "Die Verteidigung Deutschlands am Hindukusch" die Forderung der Friedensbewegung nach einer Beendigung des Krieges in Afghanistan unterstützen. Die auf der Afghanistan-Konferenz der Kooperation für den Frieden geknüpften Kontakte sollen aufrecht erhalten werden, und die Berliner Compagnie unterstützt die Initiative "Vorrang für Zivil", die sich für einen Ausbau der Zivilen Konfliktbearbeitung engagiert. Mit einem großen Plakat und Flyern wird bei den Theateraufführungen für "Vorrang für Zivil" geworben.

Der Wunsch

Möglichst viele Aufführungen von "Die Verteidigung Deutschlands am Hindukusch" und viele, viele ZuschauerInnen, vor allem viele Jugendliche, denn bei der Berliner Compagnie kann man erfahren, was Theater ist, wie es wirkt und wo seine Stärken sind, vor allem aber, wie man mit künstlerischen Mitteln für den Frieden arbeiten kann.

 
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